RJ-Delay: Handbuch
RJ-Delay ist das Delay, das ich mir immer gewünscht habe: eins, bei dem ich die Echos nicht errate, sondern zeichne. Kein Time-Knopf, kein globaler Feedback-Knopf, sondern eine Leinwand, auf der jeder Punkt ein Echo ist. Ich setze ihn dahin, wo er klingen soll, ziehe ihn leiser, gebe ihm seinen eigenen Rückkopplungsschwanz. Was du auf der Leinwand siehst, ist genau das Muster, das du hörst. Es ist mein sechstes Plugin, und es ist das, das am meisten Spaß macht.
Überblick
RJ-Delay ist ein Multitap-Delay rund um eine zeichenbare Tap-Leinwand. X ist die Zeit, Y der Pegel, bis zu 16 Punkte. Jeder Punkt trägt seinen eigenen Pan, seinen eigenen Stereo-Spread und sein eigenes Feedback. Ein einzelner Punkt plus Feedback wird zum Slapback oder zur ganzen Echo-Fahne. Darüber liegen ein 6-Band-EQ und eine Sättigung mit sieben Charakteren, die sich jeweils Pre, In oder Post schalten lassen. Und dann die Färbung: Diffusion nach Valhalla-Rezept, Delay-Modulation, Drift, ein stufenloses Ping-Pong, Ducking, Micro-Detune und fünf Analog-Charaktere von Clean über Tape und BBD bis Oil Can.
EQ und Sättigung teilen sich die Algorithmen mit RJ-Spaces. Wer den Reverb kennt, findet sich hier sofort zurecht. Alles läuft über zwei Ansichten im Suite-Look, DELAY und EQ, in Creme und Burgunderrot.
Die Oberfläche
Herzstück ist die Tap-Leinwand im DELAY-Tab, die cremefarbene Fläche in der Mitte.
- X = Zeit vom linken Rand (0) bis zum rechten Rand (die aktuelle Canvas-Range). Y = Pegel, oben 0 dB, unten an der Grundlinie −40 dB. Waagerechte dB-Linien liegen bei 0, −6, −12, −18, −24, −30 und −36 dB, die 0-dB-Linie etwas dunkler.
- Jeder aktive Tap ist ein Stem von der Grundlinie hinauf zu einem nummerierten Burgunder-Kopf. Der gewählte Tap bekommt einen Ring.
- Taps mit Feedback tragen eine kleine Loop-Marke am Kopf. Ein Tap mit Stereo-Spread wirft zwei blasse Geister-Stems zur Seite, die L/R-Lesepositionen. Ein gepannter oder gewählter Tap zeigt darunter einen kleinen L..R-Pan-Balken.
- Unten schwebt die Info-Bar mit den Werten des gewählten Taps: Nummer, TIME, LEVEL, PAN, SPREAD, FB, SWING, NUDGE und ein kleines x zum Löschen. Aktive Werte sind burgunderrot, inaktive grau. FB ist bei 0 ausgegraut, SWING im Free-Modus komplett.
- Rechts sitzt ein schmales vertikales Stereo-Output-Meter.
Das Bearbeiten passiert direkt auf der Leinwand:
- Doppelklick auf eine freie Stelle legt einen Tap an.
- Ziehen bewegt ihn in Zeit und Pegel zugleich. Im Sync-Modus rastet er aufs Raster, mit Shift frei.
- Cmd-Ziehen pannt den Tap.
- Alt-Klick oder Doppelklick auf einen Kopf löscht ihn.
- In der Info-Bar änderst du jeden Wert per Mausrad, per Klick-Ziehen auf die Zelle (Shift = fein) oder per Doppelklick für die direkte Zahleneingabe.
Zwei Taps dürfen nie exakt dieselbe Position teilen, sie schubsen sich sanft auseinander. Mehr als 16 Taps gehen nicht, dann meldet die Leiste „Alle 16 Taps belegt".
Oben schaltest du zwischen den Tabs:
- DELAY – die Tap-Leinwand.
- EQ – ein Frequenzgraph von 20 Hz bis 20 kHz.
Regler & Parameter
Die Tap-Leinwand (pro Tap)
Zeit und Feedback haben bewusst keinen Knopf. Beide hängen voneinander ab, also leben sie pro Tap auf der Leinwand.
- TIME: Position auf der X-Achse, angezeigt in ms (Free) oder in Beats (Sync).
- LEVEL: −40 … 0 dB
- PAN: L … C … R, harter Pan dieses Taps.
- SPREAD: −25 … +25 ms, versetzt die L/R-Leseposition und zeichnet die Geister-Stems.
- FB (Feedback): 0 – 110 %. Jeder Punkt rezirkuliert seinen eigenen Echozug durch die gesamte In-Kette, die Färbung summiert sich also mit jeder Wiederholung. 100 % und mehr nähert sich der Selbstoszillation, der Schwanz ist für den Host gedeckelt.
- SWING: 0 – 100 % (nur Sync), lehnt den Tap Richtung Triolen-Spot seines Rasterpaars.
- NUDGE: −25 … +25 ms, rückt den Tap gegen den Beat, in jedem Modus.
Sync, Free und die Canvas-Range
Der SYNC-Schalter im Header wechselt zwischen Free (ms) und tempo-synchron (Notenwerte). Das BPM liest RJ-Delay vom Playhead, Fallback 120.
Das Range/Note-Dropdown ist ein reiner Zoom der Leinwand. Wenn du es umschaltest, skaliert es jeden gespeicherten Tap-Anteil neu, die Taps bleiben also absolut auf ihrer Zeit stehen und wandern nicht.
- time_ms (Free): Canvas-Range 10 – 4000 ms, wählbar als 250 ms / 500 ms / 1 s / 2 s / 4 s.
- time_note (Sync): Musterlänge von 1/16 bis 2/1.
- grid (Sync): Rasterweite für das Einrasten, von 1/4 bis 1/32.
Linke Knopfspalte
- DIFFUSE (0 – 100 %) – vier Schroeder-Allpässe pro Kanal auf dem Schreibpfad, das Valhalla-Rezept. Bei 0 % läuft die Verzögerung bit-transparent.
- DIFF SIZE (0 – 100 %) – Länge der Allpässe, etwa 4 bis 45 ms. Zeitkompensiert: die Tap- und Feedback-Zeiten werden um die Diffusionslaufzeit gekürzt, damit die Echos trotz Größenänderung auf der Zeit bleiben.
- COLOR (0 – 100 %) – Intensität des gewählten Analog-Charakters. Bei Clean ohne Wirkung.
- DRIFT (0 – 100 %) – zufälliges Wandern von ±1 ms, damit die Wiederholungen nie sample-genau landen. Bei 0 aus.
Rechte Knopfspalte
- MOD DPT (0 – 100 %) – Modulationstiefe auf allen Lesepositionen, bis zu ±3 ms. Klassischer Delay-Chorus oder Vibrato.
- MOD RATE (0.05 – 8 Hz) – Rate des LFO, R läuft in Quadratur, pro Tap leicht versetzt, damit nichts zusammenklebt.
- PINGPONG (0 – 100 %) – stufenloser Morph. Der Send faltet nach Mono-Links und die Rezirkulationen kreuzen, sodass die Wiederholungen L nach R nach L springen. Bei 0 % bit-identisch.
- DETUNE (−50 … +50 ct) – Micro-Pitch auf dem Wet, L +c / R −c, ein H3000-artiger Verdichter. Bei 0 bit-identisch.
- WIDTH (0 – 200 %) – M/S-Breite auf dem Wet.
Character (Analog-Modi)
Das Character-Dropdown wählt die Färbung, die in der Loop läuft und mit jeder Wiederholung nachdunkelt. Der COLOR-Knopf skaliert dabei nur interne Konstanten und fasst deine eigenen Parameter nie an.
- Clean – komplett übersprungen, bit-identisch.
- Tape – sanftes Tiefpass-Voicing, ein Kopf-Bump bei 78 Hz, festes HP bei 50 Hz, dazu Wow und Flutter.
- BBD – resonanter Tiefpass mit Signatur-Peak, dreieckiges Wow, das typische Eimerketten-Timbre.
- Vintage Digital – Butterworth-Tiefpass plus 12-Bit-Quantisierung des Schreibsignals, ohne interne Modulation, starr wie 1978.
- Oil Can – dünnes HP bei 250 Hz und dunkles LP, dazu eine kräftige Scheibendrehungs-Modulation, der Tel-Ray-Klang.
Jeder Modus bringt seine eigene voreingestellte Loop-Sättigung mit, die unabhängig von deinem User-Drive bleibt.
EQ (6-Band-Pool, EQ-Tab)
Dieselbe Engine wie in RJ-Spaces. Der Frequenzgraph läuft logarithmisch von 20 Hz bis 20 kHz bei ±24 dB. Ein Doppelklick in den Graphen legt ein Band an, die Handles ziehst du im Pro-Q-Stil, ein Doppelklick auf ein Handle bypassed es.
- Type: Bell, Low Shelf, High Shelf, Low Cut, High Cut
- Freq: 20 Hz – 20 kHz
- Gain: −24 … +24 dB
- Q: 0.1 – 10
- Slope: 12 / 24 / 36 / 48 dB/oct
- Channel: Stereo, Left, Right, Mid, Side
- Route: Pre / In / Post. „In" setzt das Band in die Feedback-Loop, jede Wiederholung wird also neu ge-EQt.
- Dynamic EQ (eigenes DYN-Popover): Threshold (−60 … 0 dB), Range (−24 … +24 dB), Attack (0.05 – 250 ms), Release (5 – 2500 ms), Smooth (1 – 6), Source Self oder Sidechain, mit Live-GR-Anzeige und atmender Ghost-Region auf der Kurve.
Saturation (Pre / In / Post)
Das SAT-Popover öffnet die Sättigung, dieselbe wie in RJ-Spaces (ohne den Warm/Colour-Modus).
- ON – Stufe an oder aus.
- Placement: Pre / In / Post (Standard: In). „In" sättigt jede Loop-Wiederholung.
- Character: Soft, Air, Crunch, Round, Tube, Triode, Iron
- Drive: 0 – 12 dB
- Amount: 0 – 100 %
Ducking
Das DUCK-Popover senkt das Wet ab, solange der Trigger spielt, damit die Echos in den Lücken aufblühen.
- ON – an oder aus.
- Trigger: IN (Eingang) oder SC (Sidechain-Bus).
- Amount: 0 – 100 %
- Attack: 1 – 100 ms
- Release: 50 – 2000 ms
Footer und Global
- LOCK (Mix-Lock): Solange aktiv, fassen Preset-Wechsel, Werks-Presets und Reset den Mix nie an. Die Send-Balance überlebt das Preset-Browsen. Der Lock selbst ist preset-fest, nur die DAW-Session speichert ihn.
- MIX: 0 – 100 %, Dry/Wet, per Sample geglättet.
- IN: −24 … +24 dB
- OUT: −24 … +24 dB
Einen eigenen Bypass-Button gibt es nicht, dafür nimmst du den deiner DAW.
Signalfluss
Kurz, weil es erklärt, warum das Ding klingt, wie es klingt. Zuerst wird eine trockene Kopie abgezweigt. Der Send läuft durch Pre-EQ und Pre-Sat. Dann die Tap-Engine: Der Schreibpfad summiert Send plus alle Tap-Feedbacks, schickt sie durch den In-EQ, die In-Sat, die Character-Färbung und die Diffusion und schreibt sie in eine einzelne Delay-Line. Alle aktiven Taps lesen aus dieser Line. Weil Färbung, Sättigung und Diffusion auf dem Schreibpfad sitzen, wie bei einer Bandmaschine, ist schon die erste Wiederholung gefärbt, und die k-te Wiederholung k-fach. Danach folgen auf dem Wet noch Micro-Detune, Post-Sat, Post-EQ, Width, Ducking, der Dry/Wet-Mix und das Output-Gain.
Praxis-Tipps
- Slapback: Ein Tap, kleines Feedback (5 – 35 %), Character auf Tape, ein Hauch Drift. Fertig ist der Rockabilly-Schlag.
- Echos wandern im Sync vom Raster weg? Prüf pro Tap Nudge und Swing. Swing wirkt nur im Sync-Modus.
- DIFF SIZE bewegt die Echos nicht, sie ist zeitkompensiert. Dreh sie also ohne Sorge auf, wenn du den Tail verschmieren willst. Nur bei sehr kurzen Mustern kann große Size hörbar Zeit hinzufügen, das ist die dokumentierte Ausnahme.
- „In"-Routing dunkelt jede Wiederholung nach, so wie ein echtes Bandecho. Pre und Post formen den Send oder Return dagegen nur einmal.
- Alles Optionale ist bit-identisch, wenn es aus ist: Sat aus, EQ ungenutzt, Diffusion 0, Mod 0, Character Clean, Ping-Pong 0, Detune 0. Du hörst nur, was du wirklich einschaltest.
- Für den Dub-Wash: mehrere Taps mit steigendem Feedback, In-EQ mit einem Low-Cut auf „In" und ordentlich Diffusion. Jede Wiederholung wird dunkler und breiter.
Installation & Aktivierung
RJ-Delay läuft als VST3, AU und AAX auf macOS und Windows.
- Installer laden und starten, DAW neu öffnen.
- Beim ersten Start läuft die 30-tägige, voll funktionsfähige Testversion, ohne Einschränkungen.
- Nach dem Kauf trägst du deinen Lizenzschlüssel im Info-Bereich des Plugins ein. Der Schlüssel gilt für Mac und Windows gleichermaßen.
Fragen zur Aktivierung oder zum Workflow? Schreib mir direkt. Ich baue diese Tools selbst und helfe gern.