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RJ-Dyn · Handbuch

RJ-Dyn: Handbuch

Version 1.0Aktualisiert 2026-07-05

RJ-Dyn ist der Kompressor, den ich immer wollte. Einer, der seine Kennlinie zeigt, statt sie zu verstecken. Du siehst, wie das Signal die Kurve entlangwandert, und wie viel Gain-Reduction gerade passiert. Und wenn dir die klassische Kurve zu brav ist, zeichnest du deine eigene. Sechs echte Engine-Charaktere, Sättigung an der Kompression, ein Interface, das ehrlich bleibt.

Überblick

RJ-Dyn kombiniert einen dynamischen Kompressor mit einer sichtbaren, editierbaren Transferkurve. Sechs Modes bilden reale Kompressor-Charaktere nach. Keine umbenannten Regler, sondern unterschiedliche Engines. Dazu Sättigung, die mit der Gain-Reduction mitatmet, ein voller Sidechain-Bereich und M/S-Verarbeitung mit getrennten Engines.

Das Interface

Das Herzstück ist die Kompressions-Kennlinie: Input-dB auf der X-Achse, Output-dB auf der Y-Achse, jeweils von −60 bis +6 dB.

  • Eine gestrichelte 1:1-Unity-Diagonale zeigt dir, wo unkomprimiert läge.
  • Die burgunderrote Transferkurve ist deine tatsächliche Kompression.
  • Ein live wandernder Level-Dot läuft die Kurve entlang und zeigt in Echtzeit, wo dein Signal gerade sitzt.
  • Eine kräftige Gain-Reduction-Falllinie verbindet die Diagonale mit der Kurve. Ihre Länge ist die momentane Gain-Reduction.
  • Sieben ziehbare Knot-Handles liegen auf der Kurve.

Oben schaltet die CURVE-Pille zwischen AUTO (aus den Reglern berechnete Kurve) und DRAWN (deine handgezeichnete Kurve) um. Rechts sitzt das Stereo-Ausgangsmeter, darunter die Sechser-Reglerreihe.

Tipp: Lass den Level-Dot ein paar Takte laufen, bevor du eingreifst. Sein Weg zeigt dir, welcher Pegelbereich wirklich arbeitet. Dann weißt du, wo Threshold und Knee hingehören.

Mode

Sechs Engine-Charaktere, jeder mit eigenem Timing und Klangverhalten:

  • VCA – schnell, sauber, präzise. Der Allrounder für Bus und Drums.
  • FET – aggressiv, mit Biss und Attitude.
  • Opto – weich, programmabhängig, musikalisch träge.
  • Vari-Mu – röhrig, gluttonös, wird mit mehr Pegel dichter.
  • Diode – rau, körnig, mit eigenem Grain.
  • Digital – transparent und chirurgisch, ohne Charakterfärbung.

Attack und Release sind pro Mode remappt, damit die Zeiten sich echt anfühlen. Ein Opto-Release verhält sich anders als ein FET-Release.

Regler und Parameter

Reglerreihe (sechs Knöpfe):

  • Threshold – ab welchem Pegel komprimiert wird.
  • Ratio – 1:1 bis ∞ (Limiting).
  • Knee – von hart bis weich, bestimmt den Übergang in die Kompression.
  • Attack – mode-remappt in ms.
  • Release – mode-remappt in ms/s.
  • Budget – Cascade-Reihenfolge 1–6 für programmabhängiges Verhalten ohne Attack-Drift. Höhere Werte staffeln die Kompression über mehrere Stufen, statt eine harte Stufe zu setzen.

Footer-Werte:

  • Makeup – Pegelausgleich nach der Kompression.
  • Range – 0–60 dB, begrenzt die maximale Gain-Reduction.
  • Hold – hält die Reduction, bevor der Release greift.
  • Lookahead – 0–10 ms, für saubere Transienten.
  • Mix – 0–100 % Parallelkompression.
  • In/Out – Ein- und Ausgangspegel.

Detector, Sidechain und Saturation

Detector bestimmt, worauf die Engine reagiert: Auto, Peak, RMS, True Peak oder K-Weight (wahrnehmungsgewichtet).

Sidechain (SC): externer Key-Eingang, Filter (Off / HPF / BPF / Shelf) mit Freq und Q, Link % für die Kopplung der Kanäle und Max/Avg-Modus für die Detektor-Summierung.

Saturation (SAT) ist GR-gekoppelt: je mehr Gain-Reduction, desto mehr Drive. Die Sättigung atmet mit der Kompression. Character wählt die Färbung (Soft, Round, Crunch, Velvet, Tube, Triode, Iron, Bloom), Amount die Menge, Dynamics wie stark sie der Dynamik folgt.

Die gezeichnete Kurve

Im DRAWN-Modus editierst du sieben Knots direkt. Sie sind Y-only (du ziehst nur nach oben/unten) und monoton geclampt. Die Kurve kann nie zurücklaufen, du kannst also keine unmusikalische Umkehr bauen. So zeichnest du Expansion im unteren Bereich, harte Kompression oben oder eine ganz eigene Übertragungskennlinie.

Praxis-Tipps

  • Gesang: Opto oder Vari-Mu, weiches Knee, Mix bei 70–80 % für Parallelkompression mit Körper.
  • Drum-Bus: VCA, schneller Attack, HPF im Sidechain bei ca. 80 Hz, damit die Bassdrum nicht pumpt.
  • Charakter statt Kontrolle: wenig Ratio, dafür SAT hochziehen. Die GR-Kopplung gibt dir Sättigung genau da, wo das Signal drückt.
  • M/S: stelle die Channel auf M/S und komprimiere die Mitte stärker als die Seiten. Zwei getrennte Engines machen das transparent.
  • Bei hartem Attack Oversampling (2× oder 4×) einschalten, um Aliasing zu vermeiden.
  • Nutze A/B, um pegelgematcht zu vergleichen, und speichere Zwischenstände als Preset.

Installation und Aktivierung

RJ-Dyn läuft als VST3, AU und AAX auf macOS und Windows. Lade den Installer, starte deine DAW und such RJ-Dyn in den Effekten. Du hast 30 Tage volle Testversion ohne Einschränkung. Danach schaltest du mit einem Lizenzschlüssel dauerhaft frei. Formate und Plattformen sind in derselben Lizenz enthalten.