RJ-Limiter: Handbuch
RJ-Limiter ist der Limiter, den ich mir am Ende einer Master-Kette immer gewünscht habe. Er hält das Ceiling verlässlich, misst ehrlich in dBTP, und er versteckt seinen Clipper nicht in irgendeinem Style-Menü, sondern legt ihn dir als eigenen Regler auf die Oberfläche. Ich habe ihn bewusst nicht auf „null Latenz" getrimmt. Ein Mastering-Limiter hat nun mal Latenz, und das Ziel ist nicht Latenzfreiheit, sondern das bestmögliche Limiting. Was du in der Mitte siehst, ist genau das, was rauskommt: eine Ausgangshüllkurve, die sichtbar am Ceiling hängt und dort bleibt.
Überblick
RJ-Limiter ist ein transparenter True-Peak-Brickwall in der Klasse eines FabFilter Pro-L 2. Unter der Haube arbeitet er zweistufig. Zuerst eine musikalische, nur nach unten regelnde Release-Stufe mit deinen Attack- und Release-Ballistiken, crest-adaptiv. Danach ein oversampelter Pre-Clipper, dann ein schneller Brickwall mit festem Analysefenster, und am Ende ein True-Peak-Clamp im Basisband, der die dBTP-Garantie schließt. Nur die schnelle Stufe und der Clamp fassen das Ceiling wirklich an. Die musikalische Stufe formt vorher, misst aber nie gegen das Ceiling.
Version 1 ist bewusst broadband. M/S und Multiband kommen in v2. Das Ceiling ist zugleich der Ausgangspegel, es gibt keinen separaten Output-Regler. Und der Clipper hat kein Färbewerk eingebaut, das bleibt bei RJ-Saturation. Hier ist er ein reiner, pegeltreuer Pre-Shaver.
Die Oberfläche
Herzstück ist die LimiterScopeView in der Mitte, eine scrollende dB-Domain-Animation im Pro-L-2-Stil. Die vertikale Achse ist linear in dB und läuft von +6 dB oben bis −36 dB unten, die Zeit scrollt von rechts nach links. Alle 6 dB liegt eine feine Rasterlinie, die 0-dBFS-Linie ist betont.
- Eine gestrichelte Ceiling-Linie (burgunderrot) mit Inline-Label sitzt auf dem Ceiling-Wert.
- Eine gestrichelte Clip-Linie (bernstein) sitzt auf der Schwelle T = Ceiling + (4 − Clip). Drehst du CLIP auf, wandert diese Linie nach unten Richtung Ceiling.
- Bei aktivem Clip färben sich Arbeitszonen ein: bernstein oberhalb der Clip-Linie (Revier des Clippers), burgunder zwischen Clip-Linie und Ceiling (was der Limiter glättet).
- Hinter der dunkleren, gelieferten Output-Hüllkurve liegt eine helle Input-Ghost-Hüllkurve. Der Input schießt über das Ceiling hinaus, der Output flacht sichtbar dagegen ab und hängt an der Linie. Das ist der ganze Sinn eines Limiters.
- Von der Oberkante hängt ein zweifarbiges Gain-Reduction-Overlay herunter: oben bernstein für die Clip-Tiefe, darunter burgunder für die Limiter-GR. Ein gestrichelter PEAK-Marker zeigt die tiefste Gesamtreduktion im Bild.
- Oben rechts steht ein großer GAIN-REDUCTION-Wert. Alle GR-Anzeigen zeigen die Gesamtreduktion aus Limiter und Clip. Nur der Wert am CLIP-Regler zeigt den Clip-Anteil separat.
Rechts sitzt eine einklappbare Metering-Spalte mit vier skalierten vertikalen Bars und je einem Live-Wert darunter: IN und OUT als Stereo-Sample-Peak, GR und eine LUFS-Leiter mit Ziel-Ticks für Spotify (−14) und Apple (−16) sowie einer Integrated-Markierung. Der OUT-Wert ist der gehaltene maximale True Peak (dBTP), genau die Größe, gegen die externe Analyzer messen. Über dem Ceiling wird er rot.
Regler & Parameter
Acht Regler in der Fußzeile, von links nach rechts: INPUT, CEILING, ATTACK, RELEASE, LOOK, BASS, CLIP, LINK. Doppelklick auf einen Regler setzt ihn auf Default zurück, das ist die suite-weite Geste.
Pegel & Ceiling
- INPUT: −24 … +24 dB (Default 0). Der Drive in den Limiter. Lautheit ist INPUTs Job, der Clipper hat kein Make-up. Klickfrei gerampt.
- CEILING: −24 … 0 dB (Default −1.0). Ist der Ausgangspegel, einen Output-Regler gibt es nicht. Die Garantie hält den True Peak auf oder unter diesem Wert.
Ballistik der musikalischen Stufe
- ATTACK: 0 … 2000 ms (Default 250). Die Ballistik der musikalischen Stufe, nie Latenz. Lang bedeutet, Transienten laufen unangetastet in CLIP und schnelle Stufe, und die GR erholt sich sofort danach. Das klingt punchy, fast wie ein Clipper. Kurz bedeutet, die Stufe greift alles weich ab.
- RELEASE: 5 … 3000 ms (Default 500). Die Rückkehr der musikalischen Stufe. Crest-adaptiv eingebaut, Perkussives schneller, Tonales langsamer. Voll gelinkt, das schützt das Stereobild.
Schnelle Stufe
- LOOK: 0.1 … 5 ms (Default 1.5). Das Analysefenster des schnellen Brickwalls im Fixed-Max-Report-Muster. Die gemeldete Latenz bleibt fest am 5-ms-Maximum, dieser Regler ist also nie strukturell und klickfrei. Fensterwechsel crossfaden zwei voll eingeschwungene Gain-Ketten. Kurz ist punchy und schmutziger, lang ist weicher und transparenter, weil er früher duckt. Gemessene THD bei 997 Hz: LOOK 0.1 = −55 dB, LOOK 5 = −94 dB.
- LINK: 0 … 100 % (Default 80). Der Stereo-Link der schnellen Stufe. Die musikalische Stufe bleibt voll gelinkt, und Tiefen unter etwa 120 Hz sind immer voll gelinkt. Aufmachen befreit also nur HF-Transienten, das ist „gratis Lautheit", während das Bassbild nicht wandern kann.
Low-End
- BASS: 0 … 100 % (Default 0, aus und bit-neutral). LF-bewusstes Release. Ein Tracker auf etwa 150 Hz setzt das effektive Release beider Stufen auf mindestens einen Anteil einer Bassperiode, damit die Regelung nicht innerhalb einer Basswelle mitreiten kann. Genau das ist der häufigste Mechanismus für LF-Verzerrung. Höher heißt saubererer, gehaltener Bass bei etwas langsamerer LF-Erholung.
Clipper
- CLIP: 0 … 4 dB (Default 0). Der EINE Clip-Regler. Er bestimmt, wie viele dB der finalen Peak-Kontrolle der Clipper vom Limiter übernimmt. Die Schwelle ist T = Ceiling + (4 − Clip). 0 = aus (bit-exakt), 4 = Clip direkt am Ceiling (reiner Clipper, der Limiter leerläuft). Unterhalb des Knies pegeltreu, kein verstecktes Make-up. Memoryless, 0 Latenz. Bei langem ATTACK treffen die Transienten, die die musikalische Stufe durchlässt, zuerst auf diesen Clip. Das ist das Zusammenspiel Limiter gegen Clipper. Der kleine Chevron öffnet das CLIP-Overlay.
Das CLIP-Overlay (Aufruf über den Chevron am CLIP-Regler):
- BYPASS: Clipper komplett umgehen, der Amount-Wert bleibt erhalten. Memoryless, also nicht strukturell.
- MIX: 0 … 100 % (Default 100). Dry/Wet des Clippers. 100 = reiner Clipper, weniger = paralleles Clipping.
- SHAPE: 0 … 100 % (Default 0). Soft-Knee (0, zeigt SOFT) bis hart (100, zeigt HARD).
- TRANSIENT: 0 … 100 % (Default 0). Onset-Routing. Einsätze werden kurz am Ceiling geclippt, statt die Limiter-Hüllkurven zu ducken. Punch ohne Pump, wirkt auch bei Clip 0.
Neben dem CLIP-Titel sitzt ein winziger Live-Wert für die aktuelle Clip-Reduktion, solange der Clipper tatsächlich arbeitet.
Header, Oversampling & die Garantie
Im Header liegen von links nach rechts der PRESET-Dropdown (Speichern und Laden als .rjlimiter mit Produkt-Marker, damit Presets der Schwester-Plugins nicht laden), OVERSAMPLING (Off / 2× / 4× / 8×), QUALITY (Low-Latency / High-Quality), TRUE PEAK (on/off) und BYPASS.
Oversampling ist Faktor mal Qualität:
- OS-Faktor: Off / 2× / 4× / 8× (Default 4×). Die volle dBTP-Garantie braucht mindestens 2×. „Off" ist physikalisch nur Detektion, der Host-Rate-Detektor kann Inter-Sample-Peaks nahe Nyquist nicht voll auflösen, und ist im UI ehrlich ausgegraut. 8× erzwingt die Linear-Phase-Engine.
- QUALITY: Low-Latency (Minimum-Phase-IIR, geringste Latenz) oder High-Quality (Linear-Phase-FIR, flache Phase, mehr Latenz und CPU).
Nur die beiden OS-Schalter sind strukturell, sie melden die PDC-Latenz neu. Attack, Release, Look, Link und Clip ändern nie die Latenz und sind klickfrei. Der Basisband-Clamp nutzt über alle Regimes eine einheitliche Reserve von 0,05 dB, ein identisches Clip-Setting liefert also in jedem OS-Modus dieselbe Lautheit. Auch unter Deep-Drive bis +24 dB rein bleibt der schlimmste True Peak etwa 0,005 dB unter dem Ceiling.
Mastering-Werkzeuge
Die Fußzeile trägt eine Toggle-Reihe mit Werkzeugen rund um die Garantie-Kette, alle im Default neutral:
- DELTA: Höre nur, was entfernt wurde (dry_delayed − wet), exakt um die aktuelle PDC-Latenz verzögert, sodass ein transparentes Signal zu Stille auslöscht. IN/OUT/LUFS/dBTP zeigen weiter das gelieferte Programm.
- A/B MATCH: Pegelangeglichener Bypass. Im Bypass wird das Dry auf die Lautheit des Wet gehoben, sodass A/B den Charakter vergleicht und nicht den Pegel. Betrifft nur den Bypass-Pfad.
- DC: Optionaler 2nd-Order-Hochpass bei etwa 5 Hz am Eingang, um einen statischen Offset zu entfernen, bevor er Headroom frisst. Default aus, bit-exakt.
- DITHER: Off / 16-bit / 24-bit. Terminales TPDF plus 2nd-Order-Noise-Shaping, nur bei Bit-Reduktion. Das Ceiling wird vorab um den Worst-Case-Peak des Dithers abgesenkt, damit die Garantie hält. Nie im Bypass oder Delta aktiv.
Praxis-Tipps
- Lautheit kommt aus INPUT, nicht aus dem Clipper. Der Clipper ist unter dem Knie pegeltreu. Drück INPUT nach Geschmack und halte CEILING um −1.0 dBTP für Streaming-Sicherheit.
- Punch fast wie ein Clipper, aber mit Körper: Langer ATTACK plus etwas CLIP. Der Limiter lässt die Transienten durch, der Clipper fängt sie, und der weiche Körper bleibt erhalten.
- LOOK als Charakterregler: kurz für mehr Clipper-Charakter und Punch, lang für weicher und transparenter. Weil die Latenz fest ist, kannst du frei automatisieren und vergleichen.
- Bei basslastigem Material BASS aufdrehen, damit das Low-End nicht pumpt oder mitreitet. Es kostet etwas LF-Erholungsgeschwindigkeit.
- Tiefen gelinkt lassen: LINK um 80 % befreit HF-Transienten für extra Lautheit, während das Bassbild stehen bleibt.
- Nutze OS mindestens 2× für die volle Garantie. OS Off ist ein ehrlich beschrifteter Low-Latency-Detektionsmodus. Behalte den OUT-dBTP-Wert im Auge, er stimmt mit externen Analyzern überein.
Installation & Aktivierung
RJ-Limiter läuft als VST3, AU und AAX auf macOS und Windows.
- Installer laden und starten, DAW neu öffnen.
- Beim ersten Start läuft die 30-tägige, voll funktionsfähige Testversion, ohne Einschränkungen.
- Nach dem Kauf trägst du deinen Lizenzschlüssel im Info-Bereich des Plugins ein. Fertig. Der Schlüssel gilt für Mac und Windows gleichermaßen.
Fragen zur Aktivierung oder zum Workflow? Schreib mir direkt. Ich baue diese Tools selbst und helfe gern.