RJ-Resonance: Handbuch
Ich habe RJ-Resonance gebaut, weil ich einen Resonanzglätter wollte, der von der ersten Aufnahme bis zum Master denselben Klang liefert. Kein FFT-Fenster, kein Vorschwingen, keine zweite „Zero-Latency"-Notlösung, die auf Transienten hinterherhinkt. RJ-Resonance arbeitet im Zeitbereich mit bis zu 48 symmetrischen, minimalphasigen Gaußfiltern und findet die Bänder, die lokal aus dem Spektrum herausstechen. Genau die senkt es dynamisch ab. Ehrlich gesagt: v1 ist ein Glätter im Charakter von Gullfoss, kein chirurgischer De-Esser. Ein Werkzeug für Bus, Stimme und Raum, das bei jeder Samplerate exakt 0 Samples Latenz hat.
Überblick
RJ-Resonance sucht nicht gegen eine feste Schwelle, sondern gegen die eigene, gleitende Spektralhüllkurve. Ein Band duckt sich, wenn es lokal heraussticht, wenn es also schmaler und lauter ist als seine Nachbarn und dabei lange genug anhält, um eine echte Resonanz zu sein. Dadurch ist die Erkennung pegelunabhängig. Ein Lautstärkesprung um 20 dB löst nicht plötzlich eine Kompression aus.
Die Analyse läuft parallel über SVF-Abgriffe, die Korrektur seriell über minimalphasige dB-Absenkungen, die sich sauber und ohne Latenz addieren. Dazu kommen drei frei zeichenbare Kurven, ein einstellbare Bandanzahl, Range-Fenster, externes Sidechain-Unmasking, ein Hard-Modus mit absoluter Schwelle, ein Lautstärkeausgleich und ein Delta-Monitor.
Die Oberfläche
Herzstück ist der breite, cremefarbene Frequenzgraph mit einer logarithmischen Achse von 20 Hz bis 20 kHz.
- Zwei überlagerte Analyzer füllen den Hintergrund: IN in dunklem Rot liegt hinten, OUT in hellem Rot liegt davor. So siehst du direkt, was die Bearbeitung mit dem Spektrum macht.
- Quer durch die Mitte läuft eine feine Nulllinie, die Mittellinie der Kurven.
- Die Gain-Reduktion hängt als burgunderrote Fläche von dieser Mittellinie nach unten. Je tiefer sie fällt, desto stärker die Absenkung. Kleine Punkte markieren die interpolierte Resonanzfrequenz jedes gerade aktiv absenkenden Bandes.
- Oben links liegen drei Tabs: TARGET | ATTACK | RELEASE. Der aktive Tab ist burgunderrot.
- Zwei senkrechte Range-Griffe (Lo und Hi) durchziehen den Graphen. Die Bereiche außerhalb sind leicht schattiert.
Header und Footer sind hier bewusst hell gehalten. Im Header sitzen der Power-Punkt und vier Text-Schalter, im Footer das Latenz-Abzeichen und drei Wert-Anzeigen.
Regler & Parameter
Header
- Power – Master-Bypass, burgunderrot wenn aktiv.
- SC – schaltet den Erkennungs-Key auf den externen Sidechain-Bus (Unmasking). Der Key berührt nie den Signalweg, die Latenz bleibt 0.
- LISTEN – gibt den Erkennungs-Key aus, also das unverzögerte Steuersignal.
- DELTA – gibt Dry minus Wet aus. Du hörst genau, was entfernt wird.
- HARD – Hard-Modus. Statt der gleitenden Referenz wird eine absolute Schwelle benutzt, zusammen mit THR im Footer.
Erkennung & Dynamik (linke Spalte)
- Sensitivity: 0 – 100 % (Standard 50). Schwelle über der gleitenden Hüllkurve, grob 0 % = 12 dB darüber, 100 % = 0 dB. Höher fängt mehr.
- Focus: 0 – 100 % (Standard 50). Schärfe-Morph. Niedrig = breites Ducken, hoch = chirurgische Einzelkerbe. Eine Resonanz ergibt eine Kerbe.
- Attack: 0.3 – 9 ms (Standard 3). Wert bei der 1-kHz-Referenz, die Engine skaliert ihn pro Frequenz, tiefe Bänder langsamer. 0.3 ms ist so schnell, wie es der 32-Sample-Tick physisch zulässt.
- Release: 12 – 120 ms (Standard 40). Ebenfalls bei 1 kHz referenziert und pro Band skaliert.
- Smooth: 1 – 6 (Standard 3). Ordnung der Hüllkurvenglättung, also die „Sauberkeit" der Regelbewegung. Höher = weicher.
Aktion & Ausgang (rechte Spalte)
- Keep (Transient Keep): 0 – 100 % (Standard 60). Bandlokaler Transienten-Schutz. Bei einem breitbandigen Einschwingen öffnet jedes Band nur so weit, wie seine stehende Absenkung flach ist. Bänder ohne nennenswerte Absenkung lassen den Punch durch, Bänder mit tiefer, etablierter Absenkung (die echte Resonanz) bleiben abgesenkt.
- Depth: 0 – 18 dB (Standard 12). Eine harte dB-Obergrenze für die Absenkung, min(Cut, Depth). Depth 2 dB bedeutet höchstens 2 dB Absenkung.
- Bands: 12 / 24 / 36 / 48 (Standard 36). Banddichte auf einem festen Raster [30 Hz, 19 kHz]. Mehr Bänder ändern die Selektivität, nicht die breitbandige Klangfarbe. Strukturell: das Umschalten baut die Gain-Tabelle klickfrei neu auf.
- ST Link (Stereo Link): 0 – 100 % (Standard 100). Mischt die L/R-Erkennungs-Keys, 100 % = voll gekoppelt.
- COMP (Loudness Comp): 0 – 100 % (Standard 0). Gibt einen Teil der entfernten Energie breitbandig zurück (pro Kanal, ca. 80 ms geglättet), damit der A/B-Vergleich ehrlich bleibt.
Footer
- Latenz-Abzeichen: zeigt „0 SAMPLES LATENCY - EVERY SAMPLE RATE" oder bei aktivem Lookahead „N SAMPLES LATENCY (LOOKAHEAD)".
- Lookahead: Off / 2.5 ms / 5 ms. Ein optionales „negatives Attack". Die Erkennung liest das unverzögerte Signal, der Audioweg wird verzögert. Off hält exakt 0 Samples, jede Stufe meldet dem Host eine stabile Latenz (etwa 240 Samples bei 48 kHz für 5 ms). Das Umschalten ist ein einmaliger Sprung des Lesezeigers, kein Mix-Regler.
- THR: −60 … 0 dBFS (Standard −30). Absolute Schwelle für den Hard-Modus, sonst ausgegraut. Q-kompensiert, liest also echte dBFS. Klick öffnet einen Pop-out-Regler.
- OUT: −12 … +12 dB (Standard 0). Ausgangs-Trim, ebenfalls als Pop-out.
Die Kurven im Graphen
Alle drei Kurven haben 48 Punkte, passend zum 48-Band-Raster, und werden rund gezeichnet, ohne Ecken. Beim Überfahren erscheinen Präzisionsgriffe an jedem Rasterpunkt. Ziehen ändert den Wert, Doppelklick auf einen Punkt setzt ihn zurück, Doppelklick auf leere Fläche setzt die ganze Kurve zurück. Freihändiges Malen zwischen den Punkten geht weiterhin.
- Target Curve (TARGET-Tab): −12 … +12 dB. Der Sensitivity-Offset über der Frequenz. Nach oben zeichnen heißt mehr Absenkung dort. Ziehst du einen Bereich auf den Boden, ist dieses Band aus (stumm gezeichnet).
- Attack Curve (ATTACK-Tab): 0.25x – 4x pro Band. Wert = 2^(v/6), oben = langsamer, unten = schneller, Mitte = 1x. Die Skala am linken Rand zeigt 4X / 1X / 1/4X, die Target-Kurve liegt zur Orientierung geistert dahinter.
- Release Curve (RELEASE-Tab): 0.25x – 4x pro Band, gleiche 2^(v/6)-Abbildung.
- Range Lo: 20 – 500 Hz (Standard 80). Range Hi: 2000 – 20000 Hz (Standard 18000). Ziehbare senkrechte Griffe im Graphen. Sie sind ein Freigabefenster auf dem festen Raster. Bänder außerhalb [Lo, Hi] sind stumm, nicht gequetscht. Beide arbeiten in Echtzeit, nur Bands ist strukturell.
Workflow
- Mit den Defaults starten (36 Bänder, Sensitivity 50, Depth 12, Focus 50).
- DELTA einschalten und hören, was entfernt wird. Sensitivity so weit drehen, bis nur die Resonanzen und die Härte erfasst werden.
- Focus anheben für die chirurgische Einzelkerbe, absenken für sanftes, breitbandiges Zähmen.
- Mit der Target-Kurve vorgeben, wo das Plugin hinhört, und mit den Range-Griffen den Arbeitsbereich eingrenzen.
- Attack und Release feinjustieren, bei Bedarf über die Zeitkurven pro Frequenzbereich getrennt.
Praxis-Tipps
- Erst hören, dann drehen: Delta ist dein bester Freund. Solange im Delta noch Nutzsignal mitklingt, ist die Sensitivity zu hoch oder die Target-Kurve zu breit.
- Bass in Ruhe lassen: Zieh in der Target-Kurve den tiefen Bereich auf den Boden oder setz Range Lo auf 80 bis 120 Hz. Dann arbeitet das Plugin nur dort, wo die Härte sitzt.
- Keep gegen Dumpfheit: Wirken die Anschläge stumpf, heb Keep an. Klingeln Resonanzen durch die Schläge, senk Keep ab.
- Perkussives unter 1 ms: Braucht das Material eine Reaktion schneller als das Attack-Minimum, schalte Lookahead auf 2.5 oder 5 ms. Alles andere bleibt bei 0 Samples.
- Unmasking: Führe einen externen Sidechain zu, aktiviere SC und prüfe den Key über LISTEN. Die Bänder ducken sich dann dort, wo der Sidechain Energie hat.
- Feste Schwelle statt Adaption: Wenn du eine absolute Grenze willst, nimm HARD plus THR.
- Ehrlicher Vergleich: Für ein faires A/B gib mit COMP etwas Lautheit zurück, bevor du bypassed.
Installation & Aktivierung
RJ-Resonance läuft als VST3, AU und AAX auf macOS und Windows.
- Installer laden und starten, DAW neu öffnen.
- Beim ersten Start läuft die 30-tägige, voll funktionsfähige Testversion, ohne Einschränkungen.
- Nach dem Kauf trägst du deinen Lizenzschlüssel im Info-Bereich des Plugins ein. Der Schlüssel gilt für Mac und Windows gleichermaßen.
Fragen zur Aktivierung oder zum Workflow? Schreib mir direkt. Ich baue diese Tools selbst und helfe gern.