RJ-Spaces: Handbuch
RJ-Spaces ist der Hall, den ich mir immer gewünscht habe: einer, den du siehst, bevor du ihn hörst. Statt eines starren Knopfrasters bekommst du eine lebende Zeitachse, auf der der Decay atmet. Darunter liegen die Werkzeuge, um genau diesen Decay zu formen, zu färben und am Ausgang zusammenzuleimen. Kein Reverb zum Draufkleben, sondern einer, mit dem du arbeitest.
Überblick
RJ-Spaces vereint vier Räume (Room, Chamber, Hall, Plate) mit ein paar Dingen, die man in einem Reverb selten so direkt findet. Sättigung innerhalb der Hall-Loops. Ein Decay-EQ, der die frequenzabhängige Nachhallzeit formt. Eine Output-Glue-Stufe, die den Hall in den Mix setzt, statt ihn nur davorzustellen. Dazu kommen zeichenbare Shapes für Swells, Gates und Reverse-Effekte. Alles läuft über eine Oberfläche, die dir zeigt, was tatsächlich passiert.
Die Oberfläche
Das Herz ist die Decay-Anzeige mit einer sqrt-Zeitachse von 0 bis 16 s und einer Pegelachse von 0 bis −60 dB. Drei RT60-Kurven laufen darüber, für Low, Mid und High. Zwischen ihnen liegt ein schattierter Decay-Spread-Keil, der dir auf einen Blick zeigt, wie weit tiefe und hohe Frequenzen zeitlich auseinanderlaufen. Vertikale Stems markieren die Early Reflections an ihren echten Tap-Zeiten. Wandernde Energie-Motes laufen den Tail hinab, damit du den Fluss des Halls spürst.
Oben schaltest du zwischen zwei Tabs:
- REVERB – die Zeitachse mit allen Decay-Parametern.
- EQ – ein RJ-EQ-artiger Band-Graph für den Decay-EQ.
Rechts sitzt ein Stereo-Output-Meter, das dir Pegel und Balance nach der Glue-Stufe zeigt.
Regler & Parameter
Voicing
Voicing wählt den Grundcharakter: Room / Chamber / Hall / Plate. Die Umschaltung crossfadet klickfrei. Du kannst also während des Spielens durchhören, ohne dass es knackt.
Hauptregler (linke & rechte Knopfspalte)
- Pre-Delay (0–200 ms) – Abstand zwischen Direktschall und erstem Hall.
- DECAY – ein konzentrischer Doppelregler: außen RT60 (0.1–30 s), innen ER Decay (0–100 %) für das Abklingen der Early Reflections.
- Size – Raumgröße und Modendichte.
- Damping – Höhenabsorption über die Zeit.
- Bass (nur FDN-Voicings) – tiefe Nachhallenergie.
- Diffuse – Dichte und Weichheit der Reflexionen.
- Early/Late (nur FDN) – Balance zwischen Early Reflections und Tail.
- Width (nur FDN) – Stereobreite des Halls.
- Mod Depth / Mod Rate – Modulation gegen metallische Resonanzen.
- Mix (0–100 %) – Verhältnis Dry/Wet.
- In/Out (±24 dB) – Ein- und Ausgangspegel.
Tipp: Wenn ein Hall im Mix „schwimmt“, dreh nicht den Mix runter. Zieh erst das Pre-Delay hoch. 20–40 ms geben der Stimme Luft, bevor der Raum einsetzt. Der Hall bleibt gleich groß, rückt aber nach hinten.
SAT (Sättigung im Loop)
Das SAT-Pop-out sättigt innerhalb der Hall-Loops. Der Hall wird mit jeder Wiederholung wärmer, nicht nur einmal am Eingang.
- Placement – Pre / In / Post.
- Mode – Warm / Colour.
- Character – 7 Farben: Soft, Air, Crunch, Round, Tube, Triode, Iron.
- Drive (0–12 dB) und Amount (0–100 %).
SHAPE (zeichenbare Hüllkurven)
- Type – Swell / Gate / Reverse.
- Build-Up (0.01–2 s) – Anstiegszeit.
- Density (0–100 %) – Dichte der geformten Antwort.
- Trigger (−60…0 dB) – Schwelle, ab der die Shape auslöst.
DYNAMICS (Output-Glue)
Keine simple Bremse, sondern eine Glue-Stufe am Ausgang: Threshold, Ratio, Knee, Attack, Release, Budget, Makeup, Mix, SC-HPF, wahlweise über Internal oder Sidechain gekeyt. Damit setzt sich der Hall in den Mix, statt darüber zu liegen. Bei dichten Arrangements macht das den Unterschied.
Der Decay-EQ
Der wichtigste Punkt zuerst: Der Decay-EQ formt die frequenzabhängige Nachhallzeit. Er ist kein In-Loop-Boost. Wo du absenkst, klingt der Hall schneller ab. Wo du anhebst, hält er länger. Der EQ-Tab bietet 6 Bänder mit Pre/Decay/Post-Routing, M/S pro Band und dynamischem Verhalten. Praktisch: Nimm den oberen Mittenbereich im Decay heraus, damit Zischlaute nicht im Tail hängenbleiben, während der Körper voll ausklingt.
Praxis-Tipps
- Vocals: Plate, Pre-Delay 20–30 ms, Decay-EQ senkt ab 6 kHz. Glanz ohne Zischeln.
- Drums: Room, kurzes RT60, Gate-Shape für einen tighten Snare-Raum.
- Pads/Cinematic: Hall, langes RT60, Reverse-Shape und SAT auf „Air“ für einen atmenden Schweller.
- Kleben statt lauter: Wenn der Hall vorlaut wirkt, greif zur DYNAMICS-Stufe (leichtes Ratio, langsamer Release), bevor du den Mix reduzierst.
Installation & Aktivierung
RJ-Spaces läuft als VST3, AU und AAX auf macOS und Windows. Nach der Installation hast du eine 30-tägige Vollversion zum Testen, mit allen Funktionen und ohne Einschränkungen. Danach schaltest du das Plugin mit deinem Lizenzschlüssel dauerhaft frei: Schlüssel eintragen, bestätigen, fertig. Der Schlüssel gilt für Mac und Windows gleichermaßen.